Wir haben uns kürzlich mit Jost Kreussler, dem Leiter unseres deutschen Büros getroffen, um etwas mehr über seine bisherige Karriere zu erfahren. Dazu gehört die Gestaltung des Teilbereichs ‘TRUNK‘ auf der Palm Jebel Ali in Dubai, warum er Architekt wurde und welcher Kollege ihn am meisten begeistert.

Warum haben Sie Architektur als Beruf gewählt?

Ich zeichne gerne als Kommunikationsmittel. Jedes Gebäude ist eine einzigartige Herausforderung, die einen kreativen Prozess erfordert, um zu einer Lösung zu gelangen. Und obwohl jedes Konzept zunächst in unserer Vorstellung beginnt, mit einem ersten Strich auf dem Papier, ist das Endergebnis sichtbar, real, anfassbar. Ich brauche das anfassbare am Ende des Weges.

Ich arbeite gerne in einem Beruf, der Spannung erzeugen kann in meiner eigenen/unserer gebauten Umwelt. Sowohl in der Neuen als auch in Verbindung mit der Alten Umwelt. Mich begeistert die Herausforderung aus Kreativität während des Entwurfsprozesses und den harten Realitäten der Baukosten und Projektabwicklung während der Ausführung.

Mein Interesse an Architektur als Beruf geht auf meine Kindheit zurück, als ich einige Jahre in Paris lebte und meine Freizeit nach der Schule in einem der großen Einkaufszentren in der Nähe unseres Wohnortes verbrachte. Mich hat die Vielfalt der Geschäfte, das geschäftige Treiben, die Gerüche, die Farben, die Beleuchtung und die Freizeitangebote für Kinder angezogen – so etwas hatte ich in Deutschland noch nie gesehen. Eines Tages fragte ich mich, warum ich mich in diesem Umfeld so wohl fühle und erkannte, dass ich Teil des Planungs-, Entwicklungs- und Ausführungsprozesses hinter solchen Gebäuden werden wollte. Ich wollte lernen, wie „das alles“ zusammenkommt, und entdeckte, dass dieser Prozess „Architektur“ heisst.

Worauf sind Sie in Ihrer bisherigen Karriere am meisten stolz?

Die Gelegenheiten gesucht und genutzt zu haben, im Ausland mit internationalen Kollegen an einer Vielzahl von Projektarten und -größen zu arbeiten. Als Student träumte ich davon, eine Stadt in der Wüste zu entwerfen. Zwanzig Jahre später war ich als angestellter Architekt bei Nakheel PJSC tätig und verantwortlich für die Entwicklung der Designvision für den Teilbereich TRUNK auf der Palm Jebel Ali, jener zweiten Insel der Palmen-Trilogie vor der Küste Dubais.

Das Projekt sollte 1.000 Stadthäuser, 40 Wohn-Hochhäuser und ein zentrales Geschäfts- und Einzelhandelsquartier umfassen. In der Dunkelheit der Nacht ging ich oft an die Strände von Jebel Ali, sah über das Meer hinaus auf die noch unbebaute Insel und versuchte mir vorzustellen, wie die neue, glitzernd beleuchtete Gebäude-Skyline sowie die Gebäudeverteilung auf den unteren Ebenen aussehen könnte. Ich stellte mir seicht verlaufende Geländehöhen vor, die beidseitig von der zentral verlaufenden Magistrale hin zu den von Buchten gesäumten Küstenstreifen abfallen. Voraussetzung war eine wesentliche Geländeanhebung in Längsachse der Insel. Um die Investoren von den Vorzügen dieses radikalen Entwurfsvorschlags zu überzeugen, beschloss ich, ein physisches 3-D-Modell im Maßstab 1:1000 aus Styropor in meinem Büro zu bauen. Jedes einzelne Gebäude war auf einem Papierausdruck des Lageplans in seinem Standort dargestellt. Ich brauchte drei Wochen, in denen Gerüchte umgingen, dass der verrückte Deutsche in seinem Büro mit LEGO-Steinen spielte. Als das Modell nach 3 Wochen fertig- und vorgestellt war, wurde mein Vorschlag vom Geschäftsführer der Palm Jebel Ali für die Weiterentwicklung der Designvision freigegeben. Das war ein guter Tag!

Was war bisher die größte Herausforderung Ihrer Karriere?

Meine größte Herausforderung war die Gründung meines ersten Unternehmens im Jahr 1992 in Bad Doberan, ehemaliges Ostdeutschland. Als westdeutscher Bürger habe ich zu diesem Zeitpunkt den kulturellen Unterschied und die Ablehnung gegenüber allem, was aus dem vermeintlichen Westen kam, unterschätzt. Das lokale Bauamt lehnte von mir eingereichte Bauanträge ab oder verzögerte diese zumindest. Ich arbeitete jedoch in einer boomenden Branche, die viele Möglichkeiten bot. Es dauerte zwei Jahre, bis ich das Vertrauen der lokalen Administration und von Kunden gewinnen konnte.

Es war auch eine große Herausforderung, das Chetwoods-Büro in Deutschland zum Laufen zu bringen – obwohl dies hauptsächlich auf ein unglückliches Timing zurückzuführen war. Im März 2020 hatten wir gerade die Büroräume eingerichtet, als die Covid-19-Pandemie Europa erfasste und sich das Geschäftsleben über Nacht veränderte. Potenzielle Kunden zu treffen und sich persönlich zu vernetzen war nicht mehr möglich. Wie andere Unternehmen mussten wir uns schnell anpassen. Zum Glück haben wir es geschafft. Heute haben wir gute Beziehungen zu vielen internationalen Entwicklern aufgebaut und verfügen über eine vielversprechende Projektpipeline, insbesondere im Logistiksektor.

Nennen Sie Ihr Lieblingsgebäude auf der Welt?

Ich würde sagen, das Chrysler Building in New York. Ich mag seine zeitlose Eleganz und Energie. Obwohl es sich um ein geradliniges, stark vertikal ausgerichtetes Gebäude handelt, hat es auch eine elegant gestaffelte Gebäudemasse und eine spektakuläre Gebäudepitze – etwas, dass viele andere und imposante Wolkenkratzer nicht haben. Ihre Spitzen sind oft einfach und ohne sinnvolle Aussage abgeschnitten.

Ich liebe auch den Louvre auf Saadiyat Island in Abu Dhabi. Ich mag die Art und Weise, wie die Masse sensibel über das Gelände verteilt ist, um offene und weite öffentliche Räume zu schaffen, während das überspannende Gewölbedach Schutz bietet. Ich fühlte mich von dem Gebäude umarmt, als ich es besuchte.

Wen im Beruf des Architekten bewunderst du am meisten?

Ich würde Antonio Gaudí sagen. Ich verstehe nicht, wie ein menschliches Gehirn sich ein Gebäude wie die Sagrada Familia in Barcelona vorstellen und entwerfen kann. Casa Mila und Casa Battlo sind weitere Beispiele für eine wunderbare Kombination aus außergewöhnlicher Kreativität, Vorstellungskraft und technischem Know-how. Viele Architekten haben Talente auf dem einen oder anderen Gebiet, können sie aber nicht erfolgreich kombinieren.

Auch der Entwurf von Herzog & de Meuron für die Elbphilharmonie in Hamburg gefällt mir sehr gut. Ein Gebäude, das Hamburg endlich auf die Landkarte für Weltklasse-Architektur bringt. Obwohl es eine sehr grosse Masse hat, scheint das Gebäude zu fließen oder zu schweben. Ich mag die Art und Weise, wie sich die einfache, aber beeindruckende Gebäudeform in die Erinnerung eingräbt und ein Gefühl von Déjà-vu erzeugt.

Wenn Sie eine Sache an der Branche ändern könnten, was wäre das?

Ich wünschte mir mehr Vertrauen in die Expertise der Architekten, weniger Profitorientierung und mehr Raum für Kreativität. Chetwoods entwirft einige wirklich zukunftsweisende Projekte mit innovativen Kunden, die offen für Ideen sind. Ich wünschte nur, die gesamte Branche würde sich mehr auf progressives Design und unkonventionelles Denken konzentrieren.

Was war der hilfreichste Rat, den Sie erhalten haben?

In meinen ersten Tagen in meinem Beruf arbeitete ich in einem Büro mit Architekten und Statikern. Mein Mentor war ein leitender und sehr erfahrener Baustatiker. Seine Aufgabe war es, alle meine Entwürfe zu überprüfen. Er brachte mir immer wieder in Erinnerung: „Was man entwirft, muss auch konstruierbar sein“.

Bitte fassen Sie Ihren Designansatz in 5 Worten zusammen

Aus der Designdoktrin „Form Follows Function“ sollte „Form and Function should be one“ werden (Frank Lloyd Wright). Ich schätze, das sind sogar 6 Wörter!

Wie gehen Sie an ein Kundenbriefing heran?

Ich verbringe Zeit mit dem Kunden und möchte genau verstehen, was das Mandat ist. Ich versuche zwischen den Zeilen zu lesen, um dann Lösungen und Optionen zu finden.

Was ist der herausforderndste Teil eines Projekts?

Ein vollständiges Verständnis der Projektbeschreibung des Kunden macht es einfacher, die richtige Entwurfsrichtung zu finden. Aber nicht alle Beschreibungen sind gleich.

Das kürzeste Briefing, das ich je erhalten habe, kam von Majid Al Futtaim, Eigentümer des größten privaten  in Dubai ansässigen Entwicklers von Einkaufszentren in der MENA-Region. Als Head of Architecture in seinem Inhouse-Team war ich für seine geschäftlichen und privaten Immobilienentwicklungen sowie die Innenarchitektur seiner Flotte von bis zu fünf Motorbooten verantwortlich. Das Deira City Centre in Dubai wurde renoviert und eine meiner Aufgaben war es, den ‘Jewellery-Court‘ neu zu gestalten, um ihm ein thematisches Aussehen zu verleihen. Bevor Majid zu einer Geschäftsreise nach Europa aufbrach, wies er mich an, „ein schönes Design“ zu machen. Auf meine Bitte um ein ausführlicheres Briefing antwortete er: „Du wirst es schon wissen“. Als ich am nächsten Tag mit seiner Sekretärin sprach, erfuhr ich, dass Majid für eine Woche nach Mailand gereist war. In diesem Moment wusste ich genau, was der Auftrag war!

Hast du eine Lebensphilosophie?

Ich glaube an Karma.

Was ist Ihr wertvollster Besitz?

Meine Familie und meine Gesundheit.

Wer ist dein Lieblingskünstler?

Michelangelo.

Hast du ein Lieblingsbuch?

“Der Navigator“ von Bernhard Kay.

Was würde die Leute an dir überraschen?

Dass ich keine Hardrock-Musik mag.

Wenn du irgendwo wohnen könntest, wo wäre das?

Valencia oder Villefranche-sur-Mer.

Welche Veränderungen prognostizieren Sie für den deutschen Immobilienmarkt in den nächsten fünf Jahren?

Nachhaltigkeit im Allgemeinen und insbesondere die Nutzung erneuerbarer Energiequellen zum Heizen, Kühlen und zur Stromerzeugung werden stärker in den Fokus gerückt. Gleichzeitig werden auch der Materialverbrauch und die steigenden Baukosten auf den Prüfstand gestellt. Meine Vorhersage ist, dass sich die Bauweisen ändern werden, um modularer zu werden und mehr erneuerbare Ressourcen wie Holz zu verwenden, etwas, das unsere Thrive-Experten uns bei der Entwicklung in unserer eigenen Arbeit unterstützen.

 

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